Hallo zusammen,
nachdem ich nun zum wiederholten Mal beim Auswuchten war, ist das Vibrieren im Lenkrad bei rund 130 km/h jetzt endlich verschwunden. Da mich das Thema einige Nerven gekostet hat, möchte ich meine Erkenntnisse hier teilen, falls jemand mit ähnlichen Problemen kämpft. Gerade bei unseren schweren E-Fahrzeugen wie dem EV9 und den massiven 20-Zöllern zeigt sich, dass richtiges Auswuchten mittlerweile eine kleine Wissenschaft für sich ist. Im hektischen Werkstattalltag fehlt oft einfach das tiefgehende Know-how oder die Zeit für eine saubere Problemlösung. Ein häufiger Fehler liegt schon bei den Wuchtmaschinen selbst: Diese unterliegen zwar keiner gesetzlichen Eichpflicht, müssen aber zwingend regelmäßig technisch kalibriert werden. Passiert das nicht oder stellt der Mechaniker die Toleranzschwelle in der Software zu grob ein, spürt man das bei diesen Radgrößen sofort im Lenkrad.
Wer Probleme mit Vibrationen hat, sollte bei der Werkstatt unbedingt auf eine echte Laufruhenoptimierung bestehen. Wenn das Rad starke Unwuchten aufweist, darf nicht einfach blind Blei geklebt werden. Stattdessen muss der Reifen auf der Felge gedreht werden, was man fachlich als Matchen bezeichnet. Dabei wird der schwerste Punkt des Reifens dem leichtesten Punkt der Felge gegenübergestellt, um die grundlegenden physikalischen Toleranzen der Bauteile auszugleichen. Erst nach diesem Schritt wird final gewuchtet. Die Klebegewichte dürfen dabei in maximal zwei Radebenen, also an ein bis zwei Stellen, platziert werden. Wenn Gewichte kreuz und quer in der gesamten Felge verteilt sind – das sogenannte Gegenkleben –, wurde schlichtweg falsch gearbeitet und die Unwucht meist nur verschlimmbessert.
Der absolute Goldstandard ist bei solchen Problemen das Wuchten mit Lastrolle und Gegendruck, oft als Road Force Balancing oder Hunter-Wuchten bekannt. Dabei drückt eine Rolle während des Messvorgangs mit mehreren hundert Kilo gegen den Reifen. Das simuliert den realen Straßenkontakt und deckt feine Härteunterschiede im Gummi auf, die eine normale Wuchtmaschine niemals erkennen würde. Zusammenfassend kann ich nur raten: Lasst euch bei anhaltenden Vibrationen nicht mit der Ausrede abspeisen, das sei bei großen Rädern völlig normal. Eine saubere Montage, echtes Matchen und im Idealfall das Wuchten unter Gegendruck wirken hier wirklich Wunder.
Update zum Thema Reifenwuchten / Vibrationen
Kurzes Update zu meinem angepinnten Beitrag:
Meine damalige Aussage bleibt grundsätzlich bestehen: Auch mit einer normalen, sauber kalibrierten Wuchtmaschine kann ein gutes Ergebnis erzielt werden. Bei hartnäckigen Vibrationen reicht das aber offenbar nicht immer aus.
Meine Kia-Werkstatt hatte die Räder zwischenzeitlich erneut gewuchtet. Danach waren die Vibrationen bei mir leider wieder stärker als zuvor.
Deshalb war ich heute bei einem Betrieb mit einer Hunter Road Force Elite. Dort wurden alle vier Räder unter Last geprüft, neu gewuchtet und anschließend entsprechend der Messergebnisse am Fahrzeug positioniert.
Das Ergebnis ist deutlich: Das Fahrzeug läuft jetzt praktisch vibrationsfrei und so ruhig wie bisher noch nie. Das Lenkrad ist ruhig, ebenso die Mittelkonsole.
Der Vorteil der Road-Force-Messung ist, dass nicht nur die reine Unwucht erfasst wird. Durch die Belastungsrolle lassen sich auch Rundlaufabweichungen und Unregelmäßigkeiten von Reifen und Felge erkennen. Außerdem kann festgestellt werden, ob Reifen und Felge durch sogenanntes Matchen noch besser aufeinander abgestimmt werden können.
Für mich ist daher klar: Spürbare Vibrationen im Lenkrad oder Fahrzeug sind auch bei großen und schweren Rädern kein Zustand, den man einfach akzeptieren muss.
Wer trotz mehrmaligem normalen Wuchten weiterhin Probleme hat, sollte einen Betrieb mit Hunter Road Force bzw. vergleichbarer Technik ausprobieren. Wichtig ist natürlich, dass die Maschine auch fachgerecht bedient wird.
Kostenpunkt bei mir: 160 Euro für vier Räder. Nicht günstig, aber in meinem Fall hat es das Problem praktisch vollständig gelöst.
Hier noch ein Video von AT-Zimmermann, in dem das Verfahren gut erklärt wird: