Beiträge von Azul2024

    Servus,


    ich fahre seit dieser Saison einen EV9 GT teils mit 2,2t Caravan und kann zwar die Frage nicht konkret beantworten aber womöglich ein paar Hinweise/Ideen anbieten. Ich will es nämlich auch immer gerne genau wissen ;)


    Was die Visualisierung angeht kenne ich erstmal nur die beiden Balken Power und Charge im Cockpit (Cockpit Screenshot anbei) und würde mal davon ausgehen das wenn die auf Anschlag gehen das Limit erreicht ist. Und was das in der Praxis bedeutet kann man Anschlag durch ziehen und halten der Schaltwippe. Alles darüber hinaus was Du an Verzögerung benötigst wirst Du wohl mit der Bremse beisteuern müssen. Neben dem Charge Balken finde ich das Antriebspiktogramm recht hilfreich (auch im Cockpit Screenshot zu sehen) da kann man sehen was von den Rädern/Achsen kommt (und geht).


    Ich persönlich bin nicht nur Kontrollfreak sondern auch Datennerd und will es gerne genau wissen. Daher habe ich CarScanner App mit OBD2 BT Dongle auf Tour oft mitlaufen (App Screenshot anbei). Neben den vorkonfigurierten Dashboards ist das im Screenshot das was mich interessiert selbst konfiguriert. In den Energy 15 Min und 60 Min lasse ich mir den Energiefluss in kW Aktuell und im Zeitdurchschnitt anzeigen so habe ich den Charge Balken in Zahlen ausgedrückt.


    Die Daten kann man sich aufzeichnen lassen und ich habe mir eine Aufzeichnung rausgeholt die Dich interessieren könnte (App Diagramm anbei). Die aufgezeichneten Daten stammen von unserem Fahrtabschnitt San Bernardino Tunnel von Landquart nach Bellinzona. Da geht es lang gezogen aufwärts und dann in Serpentinen kurz und heftig abwärts (12%). Wir sind das mit 4 Personen, Reisegepäck und 2,2t Tandem Caravan gefahren. Aufwärts Tempomat 80kmh und abwärts in den Serpentinen von 60kmh bis auf 10kmh runter.


    In dem Graphen kannst Du also sehen was sich der EV9 bergauf gegönnt hat aber vor allem kannst Du in der zweiten Hälfte sehen was bei der Abfahrt an Rekuperation angefallen ist - da ist ordentlich was rumgekommen, Peak bis minus 150kW. Ich habe auf dem Abschnitt nur unterm Strich 4% Energie verloren es ist also beinahe alles wieder zurückgekommen was ich bei der Auffahrt verbraucht habe. Im Tal angekommen bin ich dann stehen geblieben und habe die Temperatur der Bremsen gecheckt, dafür habe ich eine IR Pistole dabei weil erfahrungsgemäß solch Fahrten ans Material gehen. Bei 35° Außentemperatur zeigten die Bremsen am EV9 vorne 37° und hinten 35° an und die Erste Achse 180° und die Zweite Achse des Tandem Anhänger 160° was für eine Auflaufbremse mega Werte sind nach solch einer Abfahrt da habe ich in Norwegen schon bis zu rauchendenden 400° gehabt. Ich bin übrigens nie auf das Bremspedal getreten.


    Aus dem Bauch heraus würde ich annehmen das der EV9 GT nahezu seine max. Ladeleistung auch an Rekuperation rückführen kann und das es ohne die Ausreizung der vollen Anhängelast kaum möglich sein wird die Rekuperation auf Stopp so zu beanspruchen das zusätzlich gebremst werden muss. Außer der Anhalteweg erfordert es.


    Gruss Andi

    Servus,


    ich verfolge den Thread mit Interesse weil ich seit 12M/15tkm auch einen EV9 GT fahre und ebenfalls speziell dazu noch Erfahrungen aufbaue. Ein paar Dinge konnte ich jedoch von vorherigen EV aber auch Verbrennern dieser Klasse (Jeep WK2) übertragen die ich gerne teilen möchte. Wir reisen damit solo aber auch mit unserem 2,2t Caravan. (Es sind also nur persönliche Fahrzeug spezifische Erfahrungen bitte.)


    Über die Nutzung der Assistenzsysteme (Tempomat, Abstand, Spur) wurde ja schon viel gesagt und das die nicht in jeder Situation hilfreich sind vor allem wenn deren Sensorik eingeschränkt ist (Schmutz, Nass, Sicht). Leider ist es nicht immer schwarz/weiss und man kommt plötzlich von einer guten in eine schlechte Situation. Egal ob sich zu Beginn oder während einer Fahrt die Lage andeutet zu verschlechtern fange ich an Assistenzsysteme zu deaktivieren (kann man alles über die Lenkrad Tasten machen) und sehe auch zu das ich mich damit gerade durch Rekuperation nicht in eine Verschlechterung der Situation bringe. Beispielsweise fahre ich üblicherweise mit i-Pedal in Rekuperation Level 3. Wenn ich also im Winter mit Glätte oder im Regen mit Aquaplaning konfrontiert sein könne sehe ich zu das ich i-Pedal deaktiviere und Rekuperation Level 1-2 einstelle. Denn während ich im Tempomat fahre ist das noch fein aber in eine beginnenden Rutschsituation macht i-Pedal und Rekuperation Level 3 die Lage nur unkontrollierbar in dem Moment wo ich den Tempomat abschalte weil der Bremsschub einsetzt.


    In Fahrzeugen mit Terrain Mode lohnt es sich auch sich mit diesen auseinanderzusetzen. Zu Beginn dachte ich etwa schon bei meinem Verbrenner das Snow Mode benötigt wird wenn man sich aus Schnee befreien möchte - etwa einer Parklücke. Stellt sich raus dem ist gar nicht so, der Snow Mode versetzt sowohl meinen früheren Verbrenner als auch den EV9 in einen sagen wir mal achtsameren Modus und signalisiert damit das Grip gerade ein Problem ist. Durch zweimaliges drücken auf die Terrain Taste kann man den blitzschnell aktivieren und damit wird Rekuperation auf Level 1 gestellt und das AWD 50/50 verteilt und es werden auch die Schaltwippen deaktiviert so kann man kaum noch was falsch machen. Das ist auch bei Starkregen hilfreich. (Zum befreien aus zugeschneiten Parklücken wiederum finde ich den Mud Mode deutlich besser geeignet aber das nur am Rande.)


    Und dann fehlt mir tatsächlich an einer Stelle das Verbrenner Feedback. Und zwar dann wenn einzelne Räder anfangen durchzugehen. Bei Winterglätte aber auch Aquaplaning ist es gerade beim fahren mit Tempomat so das sich schon vor dem wegrutschen ankündigt das dass ein oder andere Rad Schlupf bekommt. Beim Verbrenner ging dann die Drehzahl hoch was man hören und fühlen konnte. Das fehlt mir beim EV. Da behelfe ich mir mit dem Antriebspiktogram im Cockpit (s. Screenshot anbei). Dort wird der Energiefluss an den Rädern angezeigt und dort kann man sehen wenn keine Synchronität ist. Wenn die Anzeige Party macht ist Vorsicht geboten.


    P.S. Und da wir es mit einem sehr schweren Fahrzeug zu tun haben lohnt es sich mit dem Bergabfahr Assistent zu beschäftigen (langsame Abfahrten) denn der verbringt wahre wunder die 3t in der Spur zu halten - die nur der Computer kann - wenn es rutschig ist.


    Gruss Andi