Hallo zusammen,
nachdem mein Fall nach Monaten nun abgeschlossen ist, möchte ich euch einen (ursprünglich als kurzen geplanten, nun doch etwas längeren) Erfahrungsbericht zu einer defekten Akkuzelle in meinem EV9 geben. Um den Bericht nicht unnötig aufzublähen, beschränke ich mich auf die wichtigsten Punkte.
Ich hoffe, dass ich mit meinem Bericht dem ein oder anderen helfen kann, falls er oder sie in eine ähnliche Situation gerät. Ich beziehe mich hier ausschließlich auf meine eigenen Erfahrungen – es handelt sich nicht um rechtlich verbindliche Aussagen!
Meinen EV9 GT-Line konnte ich im Mai 2025 voller Vorfreude in Empfang nehmen.
Leider war die Freude nur von kurzer Dauer, denn bereits nach etwa sieben Monaten und 10.000 km trat ein schwerwiegender Mangel auf.
Im Display erschien ein rotes Warndreieck mit der Meldung: „Mögliche Fehlfunktion im Akkumanagementsystem…“.
Abgesehen von der Fehlermeldung fuhr sich das Auto ganz normal. Allerdings funktionierte das AC-Laden des Hochvolt-Akkus nicht mehr. Das DC-Laden war zwar weiterhin möglich, aber mit der Einschränkung, dass es langsamer erfolgte (unter 100 kW). Noch problematischer war, dass ich den Akku nur noch bis auf 57 % aufladen konnte – danach brach der Ladevorgang ab.
Mithilfe eines Bluetooth-Dongles und der App "Car-Scanner" konnte ich den vermeintlichen Fehler innerhalb weniger Minuten eingrenzen: Es handelte sich um eine defekte Akkuzelle, deren Spannung (Volt) deutlich von den anderen Zellen abwich.
Noch am selben Tag kontaktierte ich die KIA-Assistance, die pünktlich nach einer Stunde in Form des ADAC-Strassenwacht-Dienstes eintraf. Leider konnte mir nicht geholfen werden, da ein fahrbereites Fahrzeug nicht abgeschleppt wird.
Kurz vor Weihnachten war es mir nicht möglich, einen Termin in den umliegenden Werkstätten zu bekommen. Der früheste Termin war Ende Januar. Ich beschloss, den Termin im Januar zu vereinbaren und bis dahin mit dem Fehler weiterzufahren.
Ich fuhr das Auto also weiter, musste jedoch alle paar Kilometer erneut an eine DC-Ladesäule. Dabei zeigte sich, dass mit jedem Ladevorgang der maximale Ladezustand (SOC) weiter sank und die Ladegeschwindigkeiten immer langsamer wurden. Von anfangs etwa 57 % reduzierte sich der maximale SOC bei jedem Ladevorgang um weitere 5–8 %. Anfang Januar, nach etwa 500 km, war ich schließlich nur noch bei 21 % angelangt. Ich entschied mich, das Fahrzeug erneut über die KIA-Assistance abschleppen zu lassen.
Diesmal nutzte ich den QR-Code und gab das Ticket digital auf – mit dem deutlichen Hinweis, dass das Fahrzeug nur noch bedingt fahrbereit war. Auf der Website sah ich, dass ein ADAC-Abschleppunternehmen eingetragen wurde. Leider lehnten zwei Unternehmen den Auftrag nach der Annahme aufgrund der Entfernung zur Werkstatt (ca. 80 km) telefonisch wieder ab. Erst das dritte ADAC-Abschleppunternehmen übernahm den Auftrag tatsächlich. In der App wurde eine Wartezeit von einer Stunde angezeigt, sobald das Unternehmen den Auftrag annahm. Nach eineinhalb Stunden rief ich direkt beim Unternehmen an. Der Wortlaut: „Die Zeit in der App kannst du vergessen. In den nächsten zwei bis drei Stunden kann ich jemanden schicken.“ Tatsächlich traf der Abschlepp-Lkw etwa fünf Stunden nach der Ticket-Erstellung ein und nahm den EV9 mit.
Fun-Fact: Zehn Minuten vor Eintreffen des Abschleppers rief jemand von der KIA-Assistance an und fragte, ob ich damit einverstanden sei, die Abschleppkosten selbst zu tragen, da die KIA-Assistance nur 50 km übernehme. Ich lehnte natürlich ab. Den Auftrag stornierten sie daraufhin nicht – vermutlich, weil der Lkw bereits fast da war.
Wenn das Fahrzeug über die KIA-Assistance abgeschleppt wird, steht einem für bis zu sechs Tage ein Leihfahrzeug zu. Um dieses zu erhalten, waren mindestens 20 weitere Telefonate nötig. Immer wieder waren andere Mitarbeiter am Apparat, und die Aussagen variierten. Zuerst sollte ich beim Händler nachfragen (der hatte keins), dann beim Abschleppunternehmen nach einem „Club-Mobil“ (auch keins). Schließlich buchte mir die KIA-Assistance ein Fahrzeug bei Sixt – allerdings in einem anderen Land. Erst auf meine Nachfrage nach dem Abholort kam das heraus. Letztendlich verwies ich die KIA-Assistance auf eine Europcar-Filiale in der Nähe, wo dann ein „Mittelklassefahrzeug“ gebucht wurde.
Nach der Buchung erhielt ich schnell eine Bestätigung von Europcar – gefolgt von einem Anruf, dass kein Fahrer verfügbar sei, um mir das Fahrzeug zu bringen. Also holte ich den Leihwagen selbst ab: einen VW Tiguan für drei Tage. Nach Ablauf dieser Zeit musste ich erneut bei KIA anrufen, um eine Verlängerung um weitere drei Tage zu beantragen. Nach sechs Tagen musste ich den Leihwagen zurückgeben, obwohl allen klar war, dass die Reparatur meines EV9 länger dauern würde.
Der Händler verweigerte weiterhin ein Leihfahrzeug, da es dafür keinen Rechtsanspruch gebe.
Der Fehler mit der defekten Akkuzelle, den ich bereits nach 15 Minuten selbst diagnostiziert hatte, wurde von der Werkstatt und KIA erst nach zehn Tagen bestätigt. In den folgenden Wochen wurde ich nur sporadisch von der Werkstatt informiert – meistens musste ich selbst nach dem Status fragen. Immer wieder verzögerten Themen wie Ersatzteilbeschaffung, fehlendes Werkzeug, Platzmangel für die Reparatur oder ausstehende Freigaben von KIA den Prozess.
Nach langen sechs Wochen ohne EV9 und ohne Leihwagen erhielt ich endlich die Nachricht, dass die Reparatur abgeschlossen sei.
Voller Vorfreude nahm ich mir für die Abholung frei und ließ mich von einem Bekannten zur Werkstatt fahren (80 km). In der App sah ich bereits, dass die Reichweite bei 95 % nur noch etwa 330 km betrug – was mir sehr seltsam vorkam. Als ich den Serviceberater darauf ansprach, hieß es, das Fahrzeug müsse sich erst wieder kalibrieren, was in nächster Zeit beim AC-Laden automatisch geschehe.
Ich nahm das Fahrzeug so an und fuhr zufrieden, aber mit schlechtem Bauchgefühl, nach Hause.
Kurz vor der Ankunft zu Hause erschien im Display dieselbe Fehlermeldung wie damals: „Mögliche Fehlfunktion im Akkumanagementsystem…“. Ich kontaktierte sofort die Werkstatt. Zunächst sollte ich das Fahrzeug entweder zurückbringen oder den Fehlerspeicher in einer näher gelegenen Werkstatt zurücksetzen lassen. Erst nach Einschaltung des Geschäftsführers wurde der EV9 abgeholt, und ich erhielt einen Leihwagen.
Nach einer weiteren Woche ohne Informationen setzte ich der Werkstatt schriftlich eine Frist von zwei Wochen zur Fehlerbeseitigung. Bereits eine Stunde später erhielt ich einen Anruf: Der Fehler werde nun in einem Steuergerät vermutet, ein Reparaturzeitpunkt sei jedoch ungewiss.
Kurz vor Ablauf der von mir gesetzten Frist kam die Nachricht, dass der Fehler gefunden worden sei: Ein Akkumodul müsse ersetzt werden – der Liefertermin war jedoch unbekannt. Da ich das Warten leid war und weiterhin kein fester Termin für die erfolgreiche Reparatur in Sicht war, trat ich schließlich schriftlich vom Kaufvertrag zurück.
In Abstimmung mit dem Autohaus und KIA wurde der EV9 ohne Rechtsstreitigkeiten zurückgenommen. Die finale Übergabe ist inzwischen abgeschlossen.
Für die Lieferung des defekten Moduls gibt es inzwischen eine grobe Zeitschätzung: weitere sechs Wochen bis Ende April…
Vom Zeitpunkt des ersten Auftretens des Fehlers bis zur finalen Rückgabe sind 14 Wochen vergangen.
Der EV9 ist ein unglaublich tolles Auto – leider kann die Ersatzteilversorgung nicht mithalten. Auch die Analysezeiten bei KIA sind sehr lang. Ich bin froh, dass ich mit einem blauen Auge aus der Sache herausgekommen bin. In Zukunft werde ich darauf achten, einen Händler oder eine Werkstatt in unmittelbarer Nähe zu haben und einen Hersteller zu wählen, bei dem die Ersatzteilversorgung besser funktioniert.
Ich hoffe, dass ich mit meinem Erfahrungsbericht dem ein oder anderen Betroffenen (hoffentlich nur sehr wenigen) weiterhelfen konnte. Allen anderen: Keine Angst – weiterhin viel Spaß mit diesem tollen Fahrzeug!